Reich ausgewandert, pleite zurück – heute in Pattaya: Tommys Leben in Extremen

Interview · Ruhestand in Thailand · Pattaya

Stand: Oktober 2026 · Lesezeit 10 Min. · Von Samy & Markus

Das Wichtigste in Kürze

Tommy wanderte 1991 als wohlhabender Mann in die Dominikanische Republik aus und kam 1997 mit 500 Mark, einem Hund und ohne Wohnung zurück. Heute lebt er seit rund 2012 in Pattaya. Gescheitert ist er damals an Geschäften, die ihm über den Kopf wuchsen, an einem Lebensstil auf Pump und daran, dass er die Mentalität vor Ort nicht kannte. Pattaya ist für ihn heute deutlich teurer als früher: Allein sein Haus kostet ihn rund 1.200 € im Monat, die Krankenversicherung fast 800 €.

  • Scheitern: sechs Jahre Karibik, danach „bettelarm“ zurück nach Deutschland
  • Wohnen heute: Pool-Villa in Pattaya für rund 1.200 € im Monat inklusive Haushaltshilfe
  • Krankenversicherung: internationaler Altvertrag seit 1988/89, gestiegen von rund 400 auf fast 800 € im Monat
  • Visum: Rentnervisum – einmal verloren, weil das Re-Entry Permit fehlte

Wer über Auswandern im Ruhestand nachdenkt, hört meist die Erfolgsgeschichten. Tommy erzählt beide Seiten: wie man im Ausland alles verliert und wie man es beim zweiten Mal besser macht. Dieser Artikel beantwortet:

  • Warum scheitern Auswanderer – und was kann man daraus lernen?
  • Was kostet das Leben in Pattaya heute?
  • Was zahlt ein Auswanderer für eine internationale Krankenversicherung?
  • Welche Visum-Falle sollten Rentner in Thailand kennen?

Steckbrief

Name
Tommy
Wohnort
Pattaya, Thailand
Erster Besuch in Pattaya
1989, als Reisejournalist fürs Radio
In Pattaya seit
rund 2012, anfangs im Wechsel mit Europa
Erste Auswanderung
1991–1997, Dominikanische Republik
Beruf
Musiker, Radio-Programmchef, später Internet-Unternehmer
Visum
Rentnervisum, jährliche Verlängerung
Wohnkosten
rund 1.200 € im Monat (Pool-Villa, inkl. Haushaltshilfe)

Warum ist Tommy beim Auswandern in die Dominikanische Republik gescheitert?

Tommy ist in der Dominikanischen Republik gescheitert, weil seine Geschäfte schneller wuchsen als sein Geld, weil er die Mentalität vor Ort nicht kannte und weil er am Ende vom Geld der Zukunft lebte. 1991 wanderte er mit seiner Frau aus, „finanziell so gut aufgestellt, dass ich nichts mehr hätte arbeiten müssen“. Doch er konnte nicht stillsitzen: Erst vermietete er Motorräder an Bauarbeiter, dann kaufte er eine Strandhütte und machte daraus ein Fischrestaurant, später kamen größere Restaurants, ein Markt und eine Diskothek dazu.

„Ich bin da als reicher Mann hin und bin irgendwann dann sechs Jahre später bettelarm nach Deutschland zurückgekommen.“

Tommy erzählt im Interview, wie er in der Dominikanischen Republik sein Vermögen verloren hat
Tommy im Interview mit Markus: Fischrestaurant, Bootstouren, Diskothek – und am Ende kein Geld mehr · im Video ab 5:07

Die Motorräder kamen mit fremden Motoren zurück. Gäste ließen anschreiben und zahlten nie. Als er nichts mehr anschreiben ließ, hieß es: „Hau ab, das ist meine Insel.“ Die Einheimischen hielten ihn für reich, weil alles groß war. Geld hatte er keins mehr: Am Ende war alles „nur noch im Prinzip aus der Zukunft genommen“.

Wer bestohlen wurde, musste bei der Polizei erst einmal „Eintritt“ zahlen. Als bei Tommy das ganze Haus ausgeräumt wurde, mietete er der Polizei sogar einen Wagen, damit sie nach Santo Domingo fahren konnte – und zahlte Hotel und Essen gleich mit. Nach drei oder vier Tagen kamen die Beamten zurück: Die Einbrecher seien schon weg.

Tommy berichtet im Interview über Polizei und Kriminalität in der Dominikanischen Republik
„Dann verlangen die erstmal Eintritt“: Tommy über die Polizei in der Dominikanischen Republik · im Video ab 9:46

1997 kam er zurück: 500 Mark in der Tasche, ein Hund, kein Bankkonto, keine Wohnung, kein Auto. Bereut hat er es trotzdem nicht.

„Ich bereu sie nicht. […] Hätte ich sie nicht gemacht, dann hätte ich mein ganzes Leben lang gedacht, ich habe was verpasst.“

Tipp: Damit dir das nicht passiert, gehen wir im 1-on-1-Beratungsgespräch dein Budget, deine Pläne und die typischen Fehler durch, an denen Auswanderer scheitern – bevor du Geld investierst.

Wie hat Tommy nach der Pleite neu angefangen?

Tommy fing 1997 in Deutschland neu an – mit 40 Jahren und mit dem Internet, das er vorher nicht einmal kannte. Am Computer seines Schwiegervaters brachte er sich Webseitenbau und Bildbearbeitung selbst bei. Daraus wurde ein Werbenetzwerk im Internet mit einer Firma in der Schweiz, die es bis heute gibt, und einem Standort auf Mallorca, den er erst vor rund fünf Jahren aufgab.

Thailand kannte er seit 1989. Damals war er für eine Reisesendung im Radio zum ersten Mal in Pattaya und hat sich „damals schon in die Stadt verliebt“. Ab etwa 2012 pendelte er zwischen Europa und Pattaya, heute lebt er dort in einer Pool-Villa in einer Wohnanlage, in der nach seiner Schätzung 18 Nationen wohnen. Zweimal in der Woche kommt eine Haushaltshilfe.

Was kostet das Leben in Pattaya heute?

Das Leben in Pattaya ist nach Tommys Erfahrung deutlich teurer geworden: Ein Einzimmer-Apartment, das vor Corona 3.000 Baht im Monat kostete, kostet heute 9.000 Baht, und der schwächere Euro macht alles zusätzlich teurer (Stand Interview Dezember 2025). Tommy selbst gibt rund 1.200 € im Monat allein für sein Haus aus, inklusive Haushaltshilfe. Strom zahlt er dank Solaranlage kaum noch.

3.000 → 9.000 ฿
Einzimmer-Apartment, vor Corona und heute
50 → 37,6 ฿
Baht pro Euro bei Tommys Ankunft und Mitte Oktober 2026
1.200 €
Tommys Wohnkosten im Monat (Pool-Villa, inkl. Hilfe)

„Als ich hierherkam, lag der Kurs vom Euro bei 1 zu 50. Jetzt liegen wir bei 37, das tut weh.“

Reichen also die 1.200 bis 1.500 € im Monat, die oft genannt werden? Tommys Antwort: „Jain.“ Mit 500 € könne man leben, wenn es einem nichts ausmacht, kein festes Dach über dem Kopf zu haben. Teuer wird es bei allem, was nach Heimat schmeckt.

Tommy erklärt im Interview in seiner Pool-Villa in Pattaya, was ihn das Wohnen im Monat kostet
„Also jain“: Tommy gibt allein fürs Haus rund 1.200 € im Monat aus · im Video ab 1:06:51
PostenTommys AngabeEinordnung
Einzimmer-Apartment9.000 Baht im Monat (vor Corona 3.000)rund 240 € beim Kurs von 37,6
Pool-Villa mit drei Schlafzimmernrund 1.200 € im Monat inkl. Haushaltshilfegehobener Standard
Baht-Bus (Songthaew)10 Baht pro Fahrt, seit 15 Jahren gleichrund 0,27 €
Dosensuppe beim deutschen Bäcker12 €in Deutschland rund 2–3 €
Camembertrund 20 €Importware
Angaben aus dem Interview vom Dezember 2025; Umrechnung zum Kurs vom 17.10.2026 (37,6 Baht pro Euro).

„3.000 Baht im Monat, das war vor Corona. Weißt du, was das Ding jetzt kostet? 9.000.“

Tommy erzählt im Interview, was deutsche Lebensmittel in Pattaya kosten
„Die hier kostet 12 €“: Tommy über eine Dosensuppe beim deutschen Bäcker in Pattaya · im Video ab 1:06:11

Zum Vergleich nennt Tommy, was Thais in Pattaya verdienen: Eine Haushaltshilfe komme mit mehreren Stellen auf höchstens 15.000 Baht im Monat, Wachleute auf 330 Baht pro Arbeitstag. Der gesetzliche Mindestlohn in der Provinz Chonburi, zu der Pattaya gehört, liegt allerdings seit Juli 2025 bei 400 Baht am Tag – Tommys Zahlen liegen darunter.

Für Rentner, Frührentner und Pensionäre: Thailand selbst setzt beim Rentnervisum eine Untergrenze: 65.000 Baht Einkommen im Monat (rund 1.730 € beim Kurs von Mitte Oktober 2026) oder 800.000 Baht auf einem thailändischen Konto. Die Verlängerung aus Altersgründen gibt es ab 50 Jahren, egal ob Altersrente, Frührente oder Pension. Wie viel du wirklich brauchst, hängt am Lebensstil – und an der Krankenversicherung. Was Rentner sonst klären müssen, steht in unserem Ratgeber Auswandern als Rentner.

Was zahlt Tommy für seine Krankenversicherung in Thailand?

Tommy zahlt für seine internationale Krankenversicherung fast 800 € im Monat; als er nach Thailand kam, waren es rund 400 €. Er hat den Vertrag seit 1988/89, er gilt weltweit, sogar in den USA. Der Anbieter verkauft diesen Tarif nicht mehr, kann ihn ihm aber auch nicht kündigen. Für Tommy ist das ein Glück, denn wer erst im Rentenalter eine neue Auslandsversicherung sucht, findet meist nur teurere Tarife, oft mit Ausschlüssen für Vorerkrankungen.

„Als ich hierherkam, habe ich noch im Monat so um die 400 € bezahlt. Jetzt zahle ich schon fast 800.“

Stand Oktober 2026: Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt in Thailand in der Regel nicht, weil es kein Sozialversicherungsabkommen gibt. Beiträge privater Auslandsversicherungen steigen mit dem Alter stark. Tommys Zahlen sind seine persönliche Erfahrung mit einem Altvertrag. Lass dir vor dem Abschluss die aktuellen Bedingungen für dein Alter nennen.

Partner-Angebot: Du willst wissen, was eine Auslands-Krankenversicherung in deinem Alter kostet? Über unsere Seite Krankenversicherung im Ausland bekommst du eine deutschsprachige Beratung von unserem Partner.

Welche Visum-Falle hat Tommy in Thailand erwischt?

Tommy verlor sein erstes Rentnervisum, weil er ohne Re-Entry Permit ausreiste – in Thailand erlischt eine Aufenthaltsverlängerung bei der Ausreise, wenn man diese Wiedereinreise-Erlaubnis nicht vorher geholt hat. Die ersten zwei Jahre war er nur kurz im Land und kam mit 30 Tagen visumfrei plus Verlängerung aus. Dann beantragte er das Rentnervisum, „weil es halt sicherer ist“. Nach der ersten kurzen Reise war es weg, und er saß vier Tage bei der Immigration in Bangkok. Wie man das vermeidet, steht in unserem Artikel Re-Entry Permit Thailand.

„Ich hab gedacht, wenn ich ein Visum hab, dann reicht es.“

Tommy erklärt im Interview die Geldnachweise für das Rentnervisum in Thailand
„Das schreibt der Staat vor als Minimum“: Tommy über 800.000 Baht auf der Bank oder 65.000 Baht im Monat · im Video ab 1:08:46

Was können Auswanderer aus Tommys Geschichte lernen?

Aus Tommys Geschichte lassen sich vier Lehren ziehen: Geld nicht schneller ausgeben, als es reinkommt, die Mentalität vor Ort kennen, bevor man investiert, die Krankenversicherung früh sichern und Visumsregeln genau lesen.

  • Kein Leben auf Pump: In der Karibik lebte Tommy am Ende „nur noch im Prinzip aus der Zukunft“. Die Einheimischen hielten ihn für reich, weil alles groß war – Geld hatte er keins mehr.
  • Erst verstehen, dann investieren: Sein Motorradverleih „hat wunderbar funktioniert, wenn ich die Mentalität der Menschen gekannt hätte“ (im Video ab 2:31).
  • Versicherung vor dem Alter: Tommys Altvertrag rettet ihn heute. Wer erst mit 65 sucht, findet oft nur noch teure Tarife mit Ausschlüssen.
  • Mit heutigen Preisen rechnen: Mieten von vor Corona und ein Kurs von 50 Baht pro Euro sind Geschichte.

Das ganze Interview mit Tommy

Interview vom Dezember 2025 auf unserem YouTube-Kanal. Die wichtigsten Stellen:
  • 1:29 Auswanderung in die Dominikanische Republik
  • 5:07 Reich hin, pleite zurück
  • 9:31 Polizei, Kriminalität, Malaria
  • 38:41 Visum und Re-Entry Permit
  • 59:29 Was das Leben heute kostet
  • 1:03:10 Wie viel Geld man braucht
  • 1:22:03 Krankenversicherung
  • 1:24:10 Hat ihn das Auswandern glücklicher gemacht?

Häufige Fragen

Warum scheitern Auswanderer?

Häufige Gründe sind ein Lebensstil über die eigenen Verhältnisse, Geschäfte ohne Kenntnis der Mentalität vor Ort und fehlende Absicherung. Tommy verlor in sechs Jahren Dominikanische Republik sein gesamtes Vermögen und kam 1997 ohne Wohnung und Bankkonto nach Deutschland zurück.

Was kostet eine Wohnung in Pattaya?

Ein Einzimmer-Apartment, das vor Corona 3.000 Baht im Monat kostete, kostet laut Tommy heute 9.000 Baht, rund 240 € (Stand Interview Dezember 2025, Kurs Oktober 2026). Häuser und Villen kosten deutlich mehr.

Reichen 1.500 € im Monat zum Leben in Pattaya?

Nach Tommys Erfahrung nur bedingt: Er gibt allein rund 1.200 € im Monat für sein Haus aus. Das thailändische Rentnervisum verlangt mindestens 65.000 Baht Einkommen im Monat, rund 1.730 €, oder 800.000 Baht auf dem Konto.

Was kostet eine internationale Krankenversicherung für Rentner in Thailand?

Tommy zahlt für seinen internationalen Altvertrag fast 800 € im Monat, früher waren es rund 400 €. Neue Verträge hängen stark vom Eintrittsalter und von Vorerkrankungen ab.

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Wir leben seit über 18 Jahren im Ausland und sprechen in unseren Interviews mit Deutschen, die ihren Ruhestand oder ihr Leben im Ausland verbringen. Kein Hörensagen – nur Erfahrungen aus erster Hand. Mehr über uns · Alle Interviews auf YouTube

Quellen

  1. Interview mit Tommy, Pattaya, Samy & Markus, YouTube, 30.12.2025: youtu.be/mhR2Iu70agI
  2. Pattaya Mail, „Pattaya businesses face another cost challenge as new minimum wage rates take effect“, 03.07.2025 (Mindestlohn Chonburi 400 Baht ab 01.07.2025): pattayamail.com
  3. Königlich Thailändische Botschaft, Non-Immigrant O-A und O (Geldnachweise 800.000 bzw. 65.000 Baht, ab 50 Jahren): thaiembassy.org
  4. Wechselkurs EUR/THB 37,60 am 17.10.2026: fxfeed.io

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