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Deutschland sieht Probleme, Asien sieht Möglichkeiten: Warum ein deutscher Geschäftsführer (36) in Vietnam bleibt

Rente im Ausland, eine Steuerlast von 42 Prozent und trotzdem mehr Freiheit als im deutschen Nine-to-Five: Alex hat mit 26 Jahren Deutschland verlassen, lebte sieben Jahre in China und leitet heute als regionaler Geschäftsführer für Südostasien das Vietnam-Geschäft eines deutschen Herstellers. Nebenbei ist er Vorsitzender der German Business Association (GBA) Vietnam und vertritt dort über 400 Mitgliedsunternehmen. Im Interview erzählt er, warum er sich früh aus dem deutschen Rentensystem verabschiedet hat, was ihn das kostet – und warum er es trotzdem nicht bereut.

Auf einen Blick: Die wichtigsten Fakten aus dem Interview

  • 42 % Gesamtabgaben in Vietnam (35 % Einkommensteuer plus 7 % Sozialabgaben) auf ein reguläres Arbeitsgehalt mit Work Permit.
  • Keine deutsche Rente mehr: Alex hat sich privat aus der gesetzlichen Rentenversicherung verabschiedet und sichert sich stattdessen über ein eigenes ETF-Portfolio ab.
  • Rund 3.500 US-Dollar im Jahr für eine internationale Krankenversicherung mit weltweitem Versicherungsschutz.
  • Miete in Ho-Chi-Minh-Stadt: 1.300 bis 1.400 US-Dollar für ein neues Kondominium im Zentrum, gutes Wohnen ist aber schon ab 600 bis 700 Euro möglich.
  • 7 Jahre China, seit 2023 in Vietnam: Karriereweg über ein DAAD-Stipendium, Viessmann und heute Hettich.

Wer ist Alex? Vom Studium in Jena zum Geschäftsführer in Asien

Alex ist in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen und ging für sein Studium nach Jena – bewusst an die am weitesten entfernte Universität ohne Studiengebühren, die er sich leisten konnte. Der Wunsch, die Welt zu sehen, war früh da. Nach einem enttäuschenden Auslandssemester in den USA während seines Masterstudiums entdeckte er mit Mitte 20 China für sich – der Beginn eines Wegs, der ihn über sieben Jahre in China schließlich nach Vietnam führte, wo er heute als regionaler Geschäftsführer für Südostasien arbeitet und parallel die German Business Association (GBA) Vietnam als gewählter Vorsitzender leitet.

Der Umweg über die USA: Wie aus Enttäuschung eine Asien-Karriere wurde

Das Bild von den USA aus deutschen Hollywoodfilmen – vom Tellerwäscher zum Millionär, die New Yorker Skyline – hielt der Realität für Alex nicht stand. Das Soziale, das Essen, vieles überzeugte ihn während seines Masterstudiums nicht. Statt direkt nach Deutschland zurückzukehren, besuchte er Freunde, die in Peking und Shanghai studierten, und reiste mehrere Wochen durch China: von der Terrakotta-Armee in Xi’an bis zur alten Hauptstadt Nanjing. China befand sich 2015/16 in einem spürbaren Boom, die Infrastruktur wuchs rasant, und die Energie der Menschen beeindruckte ihn nachhaltig.

„Wir reden mehr über Probleme als über Möglichkeiten“: Das Mindset im Vergleich

Für Alex lag der entscheidende Unterschied im Mindset. Während man in Deutschland schon 2015/16 das Gefühl hatte, mehr über Probleme als über Möglichkeiten zu sprechen, drehte sich in China alles um die Frage: Was ist als Nächstes möglich? Diese positive Zukunftsorientierung und das Gefühl, seines eigenen Glückes Schmied zu sein, gaben für ihn den Ausschlag gegen einen klassischen Nine-to-Five-Job in einer deutschen Firma oder Behörde – und für den Weg zurück nach Asien.

Den entscheidenden Schub lieferte ein DAAD-Stipendienprogramm namens „Sprache und Praxis in China“, initiiert vom Deutschen Akademischen Austauschdienst gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium. Von jährlich zehn Stipienplätzen bekam Alex einen Platz: ein Jahr Chinesisch an einer chinesischen Universität, gefolgt von einem Praktikum bei der Allianz.

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Von Viessmann zu Hettich: Der Karriereweg in Südostasien

2018 stieg Alex bei Viessmann in China ein, zunächst im Business Development. Als das Unternehmen sein Geschäft über China hinaus ausbauen wollte, übernahm er den Aufbau des Exportgeschäfts in Korea, Japan, Australien, Neuseeland und Südostasien. Dort entstand auch sein erster Kontakt zu Vietnam. Der eigentliche Wendepunkt kam 2020: Chinas strikte Null-Covid-Strategie schränkte Ein- und Ausreise massiv ein. Vietnam war strategisch der wichtigste Markt in Südostasien. 2023 zog Alex nach Ho-Chi-Minh-Stadt und baute die Organisation dort quasi wie ein Startup auf. Heute arbeitet Alex als regionaler Geschäftsführer für Südostasien bei Hettich, weiterhin mit Schwerpunkt Vietnam.

Die German Business Association (GBA) Vietnam

Parallel engagiert sich Alex ehrenamtlich als Vorsitzender der German Business Association (GBA) Vietnam. Er vertritt damit über 400 überwiegend deutsche Mitgliedsunternehmen und fungiert als zentraler Ansprechpartner gegenüber der vietnamesischen Regierung. Die GBA organisiert monatliche Netzwerkveranstaltungen und richtet das nach eigenen Angaben größte und authentischste Oktoberfest Vietnams aus. Der Zugang zu den Netzwerktreffen ist bewusst niederschwellig gehalten – der Eintritt kostet umgerechnet rund 7,50 Euro und steht auch Nicht-Mitgliedern offen.

Rente im Ausland: Wie sich Auswanderer in Vietnam privat absichern

Ein zentrales Thema für alle, die dauerhaft im Ausland leben: Was passiert mit der Rente? Alex zahlt zwar über sein reguläres Arbeitsgehalt einen Teil in die vietnamesische Rentenkasse ein – für eine langfristige Altersvorsorge reicht das nach seiner Einschätzung aber nicht aus.

Er hat sich deshalb schon früh aus dem deutschen Rentensystem verabschiedet. Bemerkenswert dabei: Selbst eine Beratung bei der deutschen Rentenversicherung bestätigte ihm in seiner Konstellation die Sinnhaftigkeit einer privaten Vorsorge. Alex selbst setzt vollständig auf ein eigenes ETF-Portfolio als private Altersvorsorge.

Wie die deutsche Rente ins Ausland gezahlt wird und was Rentner bei Krankenversicherung, Steuern und Visum beachten müssen, erklären wir in unserem großen Ratgeber Auswandern als Rentner.

Steuern und Sozialabgaben in Vietnam

Vietnam gilt entgegen mancher Erwartung als Hochsteuerland für Angestellte mit regulärem Arbeitsvertrag. Auf sein vietnamesisches Gehalt zahlt Alex ganz regulär volle Steuern – insgesamt 42 Prozent, aufgeteilt in 35 Prozent Einkommensteuer und 7 Prozent Sozialabgaben. Voraussetzung für die Arbeitserlaubnis ist ein reguläres Work Permit, das alle zwei Jahre erneuert werden muss.

Leben und Kosten in Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon)

Preislich ist Saigon teurer als etwa Da Nang: Eine Wohnung in einem neuen Kondominium im Stadtzentrum kostet etwa 1.300 bis 1.400 US-Dollar, gutes Wohnen ist aber auch für 600 bis 700 Euro möglich. Die Mieten steigen spürbar, weil viele Expats in die Stadt ziehen und es an qualitativem Wohnraum mangelt. Beim Essen ist die Bandbreite riesig – von der Bánh mì für einen Euro bis zum Steak zum deutschen Preis.

Auf die Frage, ob er rückblickend alles wieder so machen würde, ist Alex eindeutig: Es war die beste Entscheidung seines Lebens. Er möchte bleiben.

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Häufig gestellte Fragen

Muss man in die deutsche Rentenversicherung einzahlen, wenn man dauerhaft in Vietnam arbeitet? Nein, verpflichtend ist das nicht. Wer wie Alex dauerhaft im Ausland lebt, kann sich aus dem deutschen Rentensystem verabschieden und stattdessen privat vorsorgen, etwa über ein ETF-Portfolio. Freiwillige Nachzahlungen zum Schließen von Rentenlücken bleiben aber möglich.
Wie hoch sind Steuern und Sozialabgaben für Angestellte in Vietnam? Bei einem regulären Arbeitsverhältnis mit Work Permit liegen Steuern und Sozialabgaben zusammen bei rund 42 Prozent – 35 Prozent Einkommensteuer plus 7 Prozent Sozialabgaben.
Was kostet eine internationale Krankenversicherung als Expat in Vietnam? Eine internationale Police mit weltweitem Versicherungsschutz kostet erfahrungsgemäß rund 3.500 US-Dollar im Jahr. Lokale Alternativen sind deutlich günstiger, bieten aber weniger Deckung außerhalb Vietnams.
Welches Visum braucht man, um in Vietnam als Angestellter zu arbeiten? Ein reguläres Work Permit, das alle zwei Jahre erneuert werden muss. Die vietnamesischen Behörden prüfen dabei, ob Anstellung und Gehalt realistisch sind.
Was ist die German Business Association (GBA) Vietnam? Die GBA ist der zentrale Verband deutscher Unternehmen in Vietnam mit über 400 Mitgliedern. Sie organisiert Netzwerktreffen, Business Meetings und Events wie das German Business and Investment Forum und fungiert als Ansprechpartner gegenüber der vietnamesischen Regierung.